Stol­per­stein­ver­le­gung am Perels­platz

Stolpersteine
Stol­per­stei­ne

Am 21. März ver­legt die Stol­per­stein-Initia­ti­ve Stier­stra­ße, in der unser Mit­glied Gre­gor Mann sehr aktiv ist, neue Stol­per­stei­ne.

Am Perels­platz 10, dem frü­he­ren May­bach­platz, beginnt die Zere­mo­nie um 9.15 Uhr mit der Ver­le­gung des Steins für Marie Rabi­nowicz. Sie wur­de am 15. 6. 1875 in Posen gebo­ren. Sie war Por­trait­ma­le­rin, unver­hei­ra­tet und leb­te seit Okto­ber 1917 am May­bach­platz 10. In den Volks­zäh­lungs­un­ter­la­gen vom Mai 1939 ist sie als Haupt­mie­te­rin ein­ge­tra­gen, in den Unter­la­gen des BLHA in Pots­dam als Unter­mie­te­rin bei Griep, vor­ne, 4.Geschoß.

Die jüdi­schen Haus­ei­gen­tü­mer Her­bert und Hil­de­gard Stein hat­ten sich in den 30 er Jah­ren in die USA ret­ten können.Danach wur­de das Haus “ari­siert”. Es ist anzu­neh­men, dass Marie Rabi­nowicz als Jüdin nach 1939 ihren Mie­ter­schutz ver­lorund nur noch als Unter­mie­te­rin ver­blei­ben konn­te. Marie Rabi­nowicz wur­de am 8.7.1942 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert und am 19.9.1942 in Treb­lin­ka ermor­det.

Um 9.30 Uhr wird die Zere­mo­nie am Perels­platz 15 mit der Ver­le­gung der Stol­per­stei­ne für Moritz und Rosa­lie Pfeil sowie Mag­da Ascher fort­ge­setzt. Moritz Pfeil wur­de am 7.12.1867 in Sucha Gora (Tecken­berg) in Polen gebo­ren und wohn­te am May­bach­platz 15 zusam­men mit sei­ner Frau Rosa­lie Char­lot­te Pfeil, geb.Freund, geb. am 25.12.1882 in Landeshut/Schlesien und dem gemein­sa­men Sohn Hein­rich, geb. am 3.10.1920 in Ber­lin. Moritz Pfeil war Buch­händ­ler und betrieb in sei­ner Woh­nung einen Ver­sand­buch­hand­lung für Kunst- und Kunst­ge­wer­be. Rosa­lie Pfeil war Eng­lisch­leh­re­rin.

1938 muß­te Moritz Pfeil auf Anord­nung der Nazi-Behör­den den Buch­han­del auf­lö­sen. Der Sohn Hein­rich konn­te im Früh­jahr 1939 im Alter von 19 Jah­ren nach Schott­land flie­hen. Dort änder­te er sei­nen Namen in Hen­ry Pheil um, übte spä­ter den Beruf des Inge­nieurs aus und hei­ra­te­te Bet­ti Gold­schal, geb. 1921. Aus der Ehe ging Rose Debo­rah Smith, geb. Pheil her­vor. Von Glas­gow aus stell­te Hen­ry Pheil in den 50 er Jah­ren bei den Ber­li­ner Wie­der­gut­ma­chungs­be­hör­den den Antrag auf Rück­erstat­tung des geraub­ten Besit­zes sei­ner Eltern. Das Resti­tu­ti­ons­ver­fah­ren zog sich über vie­le Jah­re hin und aus den Doku­men­ten im Lan­des­ar­chiv Ber­lin läßt sich der Geist, der in den 50er und 60er Jah­ren in den Ber­li­ner Behör­den herrsch­te, mit Bedrü­ckung able­sen.

Hen­ry Pheil ver­starb am 9.8.1984 in Glas­gow, Bet­ti Pheil im Jahr 2001. Bis­lang ist es der Initia­ti­ve Stier­stra­ße nicht mög­lich gewe­sen, mit der Toch­ter Rose Debo­rah Kon­takt auf­zu­neh­men. Sie steht aber in Kon­takt mit Bür­ger­äm­tern in Glas­gow, um sie zu fin­den und zur Stol­per­stein­ver­le­gung ein­zu­la­den. Moritz und Rosa­lie Pfeil wur­den am 18. Okto­ber 1941 nach Lodz depor­tiert und am 8. Mai 1942 in Kulm­hof ermor­det.

Mag­da Ascher wur­de am 3.2.1887 in Glatz/Schlesien gebo­ren und wohn­te eben­falls am May­bach­platz 15. In den Unter­la­gen des Bun­des­ar­chivs zur Volks­zäh­lung vom Mai 1939 und in einer Kar­tei­kar­te des BLHA Pots­dam ist sie mit im Haus­halt des Ehe­paa­res Moritz und Rosa­lie Pfeil gemel­det. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten über sie hat die Initia­ti­ve nicht her­aus­fin­den kön­nen, da es in den Archi­ven fast kei­ne Akten über sie gibt. Mag­da Ascher wur­de mit dem sel­ben Trans­port wie das Ehe­paar Pfeil am 18.10.1941 nach Lodz/Litzmannstadt und laut Gedenk­buch des Ghet­tos auch mit ihnen 1942 ins Ver­nich­tungs­la­ger Kulm­hof depor­tiert. Sie wur­de am 8.5.1942 ermor­det.